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JenaKultur
Evelyn Halm

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07743 Jena
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Botho-Graef-Kunstpreis der Stadt Jena

Graef1  ©JenaKultur, A. Hub
Graef2  ©JenaKultur, T. Beyer

Der Kunstpreis der Stadt Jena für zeitgenössische bildende Kunst in Würdigung von Professor Botho Graef – eines Jenaer Kunstmäzens zu Beginn des 20. Jahrhunderts – wird seit 1992 verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Themen wechseln und haben meist einen Bezug zur Stadt Jena, die Kunstsparte ist nicht festgelegt. Der Preis wird alle drei Jahre vergeben.

Botho Graef ©JenaKultur

Botho Graef (1857-1917) – Archäologe, Kunsthistoriker und Mentor des 1903 gegründeten Jenaer Kunstvereins – spielte als Kunstmäzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die städtischen Grenzen Jenas hinaus eine bedeutende Rolle. Er war neuesten Entwicklungen der Kunst gegenüber äußerst aufgeschlossen.

Seinen Anregungen verdanken Universität und Stadt hochkarätige Kunstwerke von Ferdinand Hodler, Henry van de Velde und Auguste Rodin. Ihn verband nicht nur eine tiefe Freundschaft mit jungen avantgardistischen Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner, deren Förderer er zugleich war. Mit seinen exzellenten Vorträgen, kritischen Rezensionen zu moderner Kunst und anspruchsvollen Ausstellungen im Jenaer Kunstverein prägte er darüber hinaus entscheidend das geistige Klima der Stadt vor dem ersten Weltkrieg. Der Kunstpreis der Stadt Jena ist Botho Graef gewidmet, da jedes Engagement für aktuelle junge Kunst sein Wirken fortsetzt.
Die Stadt Jena würdigt mit der Vergabe des Botho-Graef-Kunstpreises einzelne künstlerische Leistungen sowohl in Deutschland lebender als auch internationaler Künstler und unterstützt mit den in diesem Zusammenhang stattfindenden Ausstellungen, Gesprächen und Aktionen die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer bildender Kunst.

Die Spezifik dieses Kunstpreises soll sowohl in der Förderung zeitgenössischer nationaler wie internationaler Kunst als auch in einem thematischen Bezug zur Stadt Jena liegen. Der 1992 ins Leben gerufene Botho-Graef-Kunstpreis wird von der Stadt Jena alle zwei Jahre, seit 2001 überwiegend im Dreijahresrhythmus zu wechselnden Themen ausgelobt. Er steht unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters und wird mit 5000 Euro dotiert.

Das Romantikerhaus. Ideen zur künstlerischen Gestaltung des Umfeldes mit Brunnenhof
Graef 2015 ©JenaKultur, A. Hub

Thema
Im Themenjahr „Jena 2015. Romantik. Licht. Unendlichkeit“ widmete sich der Botho-Graef-Kunstpreis dem Romantikerhaus. Auf Grund der eingeengten Lage sowie der etwas versteckten Hofsituation im Eingangsbereich ist das Romantikerhaus trotz Wegweisern und erklärenden Flyern für Besucher oft nicht leicht zu finden. Darüber hinaus hatte sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Hinterhofsituation entwickelt, die gekennzeichnet wird von Zufahrt und rückwärtiger Erschließung der angrenzenden Gebäude am Löbdergraben, Fahrradstell- und Müllstandplätzen sowie einer unschönen Mauer zu den Grundstücken der Gebäude Unterm Markt. Die so entstandene, wenig einladende und unübersichtliche Hof- bzw. Eingangssituation galt als unbefriedigend.
Deshalb sollten der Hof mit dem Brunnen im Zentrum sowie die Zuwegung von Unterm Markt bzw. Löbdergraben sollten für eine künstlerische Bearbeitung freigegeben werden. Es konnten dabei Grün- und gepflasterte Flächen, aber auch die angrenzenden Häuserfassaden einbezogen sein, wobei natürlich der Fassade des Romantikerhauses eine besondere Bedeutung zukommen sollte. In Korrespondenz zur Hofgestaltung sollten einzelne gestalterische Elemente aufgegriffen und wie ein Leitsystem den Weg sowohl vom Markt/ Unterm Markt als auch vom Löbdergraben zum Romantikerhaus hin markieren.
Das Kunstgenre wurde offen gehalten für die künstlerische Kreativität der Teilnehmer, d.h. Skulpturen, Skulpturengruppen, Installationen, in den Boden eingelassene Gestaltungen waren ebenso denkbar wie Lichtkunst und Projektionen.

Dreistufiger Wettbewerb
1. In einer öffentlichen Ausschreibung in geeigneten Kunstmedien, im Internet sowie verschiedenen Verteilern wurden nationale Künstler aufgefordert, ein Ideenkonzept einzureichen, aus denen ein Auswahlgremium die besten 15 Ideen ermittelte.
2. Die 15 Ideengeber wurden zu einem zweitägigen Künstlerworkshop eingeladen. Der Workshop vermittelte Informationen und Inspirationen zur Entwicklung eines konkreten, ausgereiften, auf den Ort zugeschnittenen und realisierbaren Entwurfes.
3. In einem beschränkten Wettbewerb dieser ausgewählten 15 Künstler sollten die weiterentwickelten konkreten Entwürfe mit detaillierter Projektbeschreibung sowie einer Modellanfertigung eingereicht werden. Die Entwürfe wurden in einer Ausstellung im Romantikerhaus präsentiert. Eine Fachjury ermittelte im Anschluss den Preisträger.

Preisträger
Gewinner des Botho-Graef-Kunstpreises 2015 wurde die Künstlergemeinschaft Alex Rix/ Mechernich und Renate Schäfer-Jökel/ Brühl mit ihrem künstlerischen Entwurf der Arbeit „HIER...und an anderer Stelle“.
Der Entwurf sieht die Installierung von Worten und Begriffen in goldfarbenen Metallbuchstaben an verschiedenen Orten und in verschiedener Höhe am Romantikerhaus sowie darüber hinaus an weiteren markanten Standorten in der Stadt vor. Die edel wirkende, minimalistische Arbeit mit Schrift führt auf subtile poetische Weise zum eigentlichen Inhalt frühromantischen Schaffens zurück.
Auf den 2. Platz wurden Gloria Mans und Ambech aus Ilmenau für Ihre Arbeit „Romantische Führung“ gewählt.
Den 3. Platz errang Franziska Möbius aus Leipzig mit ihrer Arbeit „Es färbte sich die Wiese grün“.

Es besteht die Option der Realisierung des erstplazierten Entwurfes in 2016/2017. Dies stellt allerdings im Falle der Realisierbarkeit ein gesondertes Projekt dar. Mit dem Wettbewerb ist keine zwingende Realisierung verbunden.

Die künstlerische Aufwertung des Gartens der Villa Rosenthal
Graef1 ©JenaKultur, A. Hub

Thema
Der Garten der Villa Rosenthal wurde in diesem Wettbewerb für eine künstlerische Intervention freigegeben. Prof. Dr. Eduard Rosenthal und seine Frau Clara ließen die Villa Rosenthal 1892 im gründerzeitlichen Stil als Wohnsitz der jüdischen Familie erbauen. Die Villa war zu Lebzeiten der Rosenthals ein wichtiger gesellschaftlicher Treffpunkt für Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur in Jena und Thüringen. Eduard Rosenthal vermachte die Villa bei seinem Tod mit der Bedingung eines lebenslangen Wohnrechtes für seine Frau der Stadt. Nach dem Selbstmord Clara Rosenthals 1941 ging das Haus in das Eigentum der Stadt Jena über. Villa und Garten wurden notdürftig in Stand gehalten. Das denkmalgeschützte Haus mit dem Anwesen bedurfte bis zur Jahrtausendwende immer noch einer grundhaften und kostspieligen Sanierung. 2004 beschloss der Stadtrat, dass mit der Neunutzung der Villa nicht nur die Sanierung veranlasst werden musste, sondern auch dem Vermächtnis der Rosenthals Rechnung zu tragen sei. Daher entwickelte die jenawohnen GmbH, als Eigentümerin in enger Zusammenarbeit mit dem städtischen Eigenbetrieb JenaKultur und unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes ein Sanierungs- und multifunktionales Neunutzungskonzept. Das Haus wird seit 2010 ganzjährig genutzt und ist zu einem Ort für Feste, Tagungen, Ausstellungen, Lesungen und Konzerte geworden. Zwei neue Stipendien für bildende Kunst und Literatur wurden mit dem Haus verknüpft, sodass die jeweiligen Stipendiaten in der Villa leben und arbeiten und zusätzlich mit ihrer Kunst beleben.
Im Zuge der aufwendigen Sanierung der Villa ist auch der Garten instand gesetzt worden. Bei der Sanierung ist ein Teil des Gartens, den historischen Vorlagen folgend, rekonstruiert worden. Neben einer haushohen Rotbuche mit Wandelgang, einem Teich mit Sitzgelegenheit und einem Gedenkpavillon bietet der Garten eine große Rasenfläche, Kieswege und ein bestuhltes Gelände für Feierlichkeiten.
Der ursprüngliche Nutzgarten im Westen wurde zu einem umsäumten Parkplatz mit elf Stellplätzen. Südlich anschließend öffnet das Gelände mit einer Rasenfläche und wenigen, größeren Sträuchern den Blick auf eine erhöht liegende Feuerstelle. Die Feuerstelle wurde nie genutzt. Während der Garten der Villa mit seinen unterschiedlichen Bestandteilen als harmonisch ausgewogenes Areal zwischen historischem Parkgarten und zeitgemäßer Nutzung interpretiert werden könnte, störte dieses Gelände den Gesamteindruck. Dieses Areal bedurfte einer Neugestaltung, die einer der Intentionen der Villa, Kunst einen neuen Lebensraum zu geben, entspricht. Der Botho-Graef-Kunstpreis widmete sich aus diesem Grund der künstlerischen Aufwertung eben jenes Areals im Garten der Villa Rosenthal.

Offener Wettbewerb mit Künstlerseminar
In einer öffentlichen Ausschreibung wurden nationale Künstler aufgefordert, ein Ideenkonzept einzureichen, aus denen ein Auswahlgremium zunächst die besten 15 Ideen ermittelte. Die 15 Ideengeber nahmen an einem zweitägigen Künstlerworkshop in der Villa Rosenthal teil, um den konkreten Ort und die Intentionen der Auslober besser kennen zu lernen.
Die in einem beschränkten Wettbewerb weiterentwickelten und konkretisierten Enwürfe mit Modellanfertigung wurden in einer Ausstellung in der Villa Rosenthal präsentiert.
Eine aus fünf Fachexperten bestehende Jury ermittelte die Preisträgerin, die in einer feierlichen Veranstaltung in der Villa Rosenthal gekürt wurde.

Preisträgerin
Gewinnerin des Botho-Graef-Kunstpreises 2012 wurde Anika Gründer aus Weimar mit ihrem Künstlerischen Entwurf der Arbeit „Verwerfung oder die Eroberung eines Blickes“.
Der Entwurf sah die Errichtung einer begehbaren Gartenbauskulptur - ein Folly - vor, für welche die Blickachse zwischen der Villa Rosenthal und dem gegenüberliegenden Kernbergareal „Studentenrutsche“ maßgebend ist. Ihre äußere Hülle bildet die markante Muschelkalkstruktur der Kernberge ab.
Auf den 2. Platz wurde Götz Lemberg/ Berlin mit seiner Arbeit „Lichtkörper“ gewählt.
Den 3. Platz erhielt Rainer Jacob/ Jena mit seiner Arbeit „Start- und Landeplatz“.

Das Folly von Anika Gründer wurde 2015 realisiert und ist ab Frühjahr 2016 zu besichtigen.

Intellektuelle Zweisamkeit
Intellektuelle Zweisamkeit ©JenaKultur, A. Hub

Thema
Aus Anlass des 260. Geburtstages von Goethe (28.8.1749) und 250. Geburtstages von Schiller (10.11.1759) im Jahr 2009 widmete sich der Botho-Graef-Kunstpreis 2008 der legendären „intellektuellen Zweisamkeit“ der beiden Genies.
Das Thema des künstlerischen Wettbewerbes orientierte sich an der Begegnung der beiden Dichter im Juli 1794 in Jena. Es sollte den berühmten Arbeits- und Freundschaftsbund reflektieren und jenes ambivalente, sich gegenseitig befruchtende, äußerst kreative und anregende, aber auch konträre und wetteifernde Verhältnis beider Dichterfürsten vor dem Hintergrund der freien akademischen und geistig äußerst anregenden Atmosphäre Jenas, der „Stapelstadt des Wissens und der Wissenschaft“, in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts künstlerisch umsetzen.
Goethe und Schiller fanden sich am 20. Juli 1794 nach der abendlichen Sitzung der „Naturforschenden Gesellschaft“ im Bachsteinschen Haus in der Rathausgasse, zu welcher der Leiter des neuen Botanischen Gartens Prof. Karl Batsch eingeladen hatte, beim gemeinsamen Verlassen des Hauses unvermutet in einem Gespräch wieder und spazierten in angeregtem Disput über die Metamorphose der Pflanzen über den Markt zu Schillers damaliger Wohnung Unterm Markt 1. In der Frage, ob Metamorphose eine Erfahrung sei oder Idee, prallten beider unterschiedliche philosophische Standpunkte unversöhnlich aufeinander. Trotz der Differenzen wurde jedoch auch in den darauf folgenden Gesprächen über Kunst und Kunsttheorie im Hause Wilhelm von Humboldts zwei Tage später rasch klar, dass hier der eine am anderen einen ebenbürtigen kritischen Diskussionspartner in allen weltanschaulichen wie ästhetischen Fragen gefunden hatte. Das Eis war gebrochen.
Die sich daraus entwickelnde „intellektuelle Zweisamkeit“ ist die bedeutendste und am nachhaltigsten wirksame Freundschaft gewesen, welche das so genannte „Wunderjahr“ 1794 in Jena hervorgebracht hat.

Beschränkter Wettbewerb
Es wurden 12 nationale Künstler eingeladen, einen Entwurf für eine künstlerische Arbeit in 2008 vorzulegen, die im Oktober und November 2008 in einer Ausstellung im Romantikerhaus der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Aus den eingereichten Arbeiten ermittelte eine aus sieben Fachexperten bestehende Jury den Preisträger.

Preisträger
Die Jury wählte David Mannstein & Maria Vill aus Berlin mit dem künstlerischen Entwurf der zweiteiligen Arbeit „Intellektuelle Zweisamkeit“ zum Gewinner des Wettberbs.
Die Arbeit besteht aus einer 30 Meter langen LED-Laufschrift mit dem vollständigen Text des Briefwechsels von Goethe und Schiller an der Fassade des Hauses Unterm Markt 1, korrespondiert von 70 handflächengroßen polierten Bronze-Bodenplaketten mit den Umrissen unterschiedlicher Blätter als Markierung des Spazierwegs beider Dichter im Disput über die Metamorphose der Pflanzen.

Die Arbeit wurde im Schillerjahr 2009 realisiert. Die Einweihung erfolgte, wie könnte es anders sein, am 20. Juli 2009. Ort der Umsetzung war das Areal Markt/ Unterm Markt 1 vor dem Neubau des ehemaligen Kirstenschen Hauses, in welchem Schiller von Mai 1794 bis April 1795 gewohnt hat und an dessen Nachfolgebau sich heute eine Gedenktafel in Erinnerung an das Treffen befindet.

„Erinnerungsfeld WINDKNOLLEN 1806“. Ein künstlerischer Beitrag zum Deutsch-Französischen Jahr „rendez-vous“ 2006
Audiowalk Janet Cardiff ©JenaKultur, H. Blechschmidt

Thema
Der Botho-Graef-Kunstpreis ging 2004 eine inhaltliche „Symbiose“ ein mit dem ganz Thüringen umfassenden regionalen Engagement zum 200. Jahrestag der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt im Jahre 2006. Das künstlerische Projekt war inhaltlich eingebettet in das überregional von den Kommunen Jena, Erfurt, Weimar, dem Burgenkreis, Saale-Holzland-Kreis und vom Kreis Weimarer Land getragene Großprojekt zur umfassenden Aufbereitung dieser Schlacht und seiner Nachwirkungen, das 2006 in einem Deutsch-Französischen Jahr „rendez-vous“ kulminierte.
Das historisch bedeutsame Landschaftsareal der Schlachtfelder bei Cospeda erwies sich als ein ideales Experimentierfeld, welches im Sinne von Erinnerungskultur künstlerisch gestaltet in den rezeptionsgeschichtlichen Aufarbeitungsprozess der Ereignisse einbezogen werden sollte. Der Windknollen als zweithöchste Erhebung des Hochplateaus am Landgrafen und landschaftlich überaus beindruckendes Terrain erschien dafür bestens geeignet. Vor der Schlacht am 14.Oktober 1806 verbrachte Napoleon I. Bonaparte in einem Biwak unterhalb des Windknollens die Nacht, in der er persönlich das geheime Herauftransportieren der französischen Artillerie über den darunter befindlichen Hohlweg „Steiger“ auf das Schlachtfeld überwachte. Das Hochplateau wurde in den folgenden beiden Jahrhunderten nach der Schlacht immer wieder militärisch genutzt. Seit 1991 ist es der Öffentlichkeit wieder zugänglich und bietet als Naturschutzgebiet Ruhe und Erholung sowie vom Windknollenberg herab herrliche Ausblicke auf die Stadt.
Als Areal für eine blutige Materialschlacht mit 30.000 bis 35.000 Opfern, als Standort des Agierens bedeutender historischer Persönlichkeiten wie Napoleon, militärisch genutztes Gelände, interessantes Feuchtbiotop und Naturschutzgebiet mit teilweise seltenen Pflanzenarten und beliebtes Ausflugsterrain, ruft der Ort damit durch seine allgegenwärtige Geschichtsträchtigkeit, aber auch wegen der landschaftlich reizvollen Situation eine besondere Stimmung hervor. Dies könnte man am besten als „Aura des Ortes“ beschreiben. Gerade diese spezielle „Aura des Ortes“ zu erfassen und in die künstlerische Arbeit einzubeziehen, war die Intention der Auslober gewesen.

Beschränkter Wettbewerb mit Direktbenennung
Es war nach Ansicht der Initiatoren von großer Bedeutung, für die „künstlerische Intervention“ in das Schlachtfeldareal mit den historisch unterlegten Komponenten Krieg und Gewalt wirklich profilierte Künstler zu wählen, die das Thema national unvoreingenommen aufnehmen und dessen aktuelle Brisanz zeitgemäß-intellektuell erfassen und umsetzen können und keine Kriegerdenkmale produzieren.
Aus diesem Grund wurde ein beschränktes Auswahlverfahren durchgeführt, in dem der Preisträger nach eingehender Prüfung und Begutachtung des bisherigen Schaffens durch eine renommierte fünfköpfige Kunstpreisjury direkt benannt und anschließend mit der Erarbeitung eines künstlerischen Entwurfes beauftragt wurde. Die hierbei in den Wettbewerb eingebrachten neun, bereits international profilierten Künstler wurden vorher von einem Kuratorenteam sorgfältig ausgewählt.

Preisträger
Die Jury entschied sich für die kanadische Künstlerin Janet Cardiff und ihren Partner George Bures Miller als Preisträger. Beide wurden vom Auslober direkt beauftragt, einen interaktiven Spaziergang vom Museum 1806 in Cospeda bis zum Napoleonstein auf dem Windknollen zu entwickeln. Der „Audiowalk“ beginnt im Museum 1806, in dem gegen ein Pfand mp3 Player und Kopfhörer für den geführten Rundgang entliehen und wieder abgegeben werden können.

Das Projekt wurde im Deutsch-Französischen Jahr 2006 realisiert und stellte darin den wesentlichen und überragenden Beitrag auf dem Gebiet der Gegenwartskunst dar.

IMAGINATION Romantik.

Thema
Das Projekt „IMAGINATION-Romantik“ 2001 hob eine für Jena typische Europäische Strömung hervor. Die historischen Quellen der Romantik sind Teil einer kollektiven Erinnerung, die Identität stiftet und neue kreative Impulse für die junge Kunst gibt. Die Romantik reflektierte das entstehende moderne industrielle Zeitalter und die Rolle des Individuums in einer Zeit des durchgreifenden Wandels.
In der Universitätsstadt Jena nahm um 1800 eine neue philosophische Bewegung, die Romantik, ihren Ausgang. August Wilhelm Schlegel (Übersetzer Shakespeares), seine Frau Caroline und sein Bruder Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck, Henrik Steffen (Norwegischer Mineraloge), Johann Wilhelm Ritter (Physiker) und Novalis waren in Jena versammelt, in der Nähe Friedrich Schillers, der an der Universität Vorlesungen gab, und in der Nachbarschaft J.W. von Goethes, der Minister des Weimarer Herzogs war. Die romantischen Ideen wurden in der programmatischen Zeitschrift „Athenäum“ publiziert. Die junge Generation der Frühromantiker fühlte sich am Ende einer Epoche und weigerte sich, traditionelle Werte zu übernehmen. Ihre Vertreter waren an neuen Konzepten für Kunst und Leben interessiert. Viele ihrer Gedanken bildeten ein Fundament für die Moderne und sind in einigen zeitgenössischen künstlerischen Strömungen immer noch lebendig. Während die Malerei der Romantik, z. B. die Kunst C.D. Friedrichs, formal gesehen klassisch geprägt war, erfüllt sich in der bildenden Kunst erst heute mit Vertretern wie Joseph Beuys die letzten Konsequenzen der revolutionären romantischen Ideen.
Mit dem Thema öffnete sich der Botho-Graef-Kunstpreis der Stadt Jena erstmals ausgewählten Künstlern aus ganz Europa. Das damit verbundene Künstlerseminar und die Ausstellung „IMAGINATION-Romantik“ rückten Jena als Entstehungsort der Frühromantik erneut ins Bewusstsein und machten es gleichzeitig zu einer Bühne internationaler Avantgarde-Kunst. Nicht nur die Beteiligung internationaler Künstler, sondern auch die Kooperation mit ausländischen Partnerinstitutionen in Galway/ Irland und Brünn/ Tschechien ermöglichten den interkulturellen Austausch. Für die Veranstaltung dieses Kunstereignisses bildeten das Kulturamt der Stadt Jena und die JENOPTIK AG eine Partnerschaft.

Beschränkter Wettbewerb mit Künstlerseminar
13 Künstler aus 10 europäischen Ländern – von international renommierten Kuratoren vorgeschlagen – wurden nach Jena eingeladen, ein Kunstwerk zu präsentierten, das ihrer zeitgenössischen „Lesart“ der Romantik entspricht. Ein fünftägiges Künstlerseminar bereitete die Teilnehmer auf ihre Beiträge vor. Die künstlerischen Arbeiten wurden in einer Ausstellung im Herbst 2001 in den Räumen des Romantikerhauses, des Stadtmuseums Göhre, des Jenaer Kunstvereins sowie in der Galerie der Jenoptik präsentiert. Ein umfassender Katalog erschien zur Preisverleihung.

Preisträger
Eine fünfköpfige internationale Jury wählte die in Großbritannien lebende deutsche Künstlerin Mariele Neudecker mit ihrer mixed media Installation „Die Schwerkraft verhindert das Abdriften der Atmosphäre in den Raum“ zur Preisträgerin.

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