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Werkleitung
Jonas Zipf (Werkleiter)
Carsten Müller
Thomas Vogl

Tag der Stadtgeschichte

Brandszene vor der Schlacht bei Jena in der Nacht 13./14. Oktober 1806: Christian Carl Ludwig Hess, um 1810  ©Geographische Zentralbibliothek im Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig; Montage: K. Philler
Banner zum Tag der Stadtgeschichte  ©Stadt Jena

Ein Tag der Stadtgeschichte wurde in Jena 2009 zum ersten Mal durchgeführt. Es handelte sich um eine Veranstaltung der Stadt Jena, die bis 2014 alljährlich stattfand. Aufgrund des großen Arbeitsaufwandes im Lexikon-Projekt wurde der Stadtgeschichtstag danach nur alle zwei Jahre ausgerichtet. Seit 2019 strebt JenaKultur an, dieses Format wieder in jedem Jahr anzubieten.

24.10.20 | 10. Tag der Stadtgeschichte: Jena 1945. Endkriegsverbrechen – Besetzung – Wiedereröffnung der Universität

Infanteristen der US-Army marschieren durch die Jenaer Innenstadt entlang der Zeiss-Werke, 15. April 1945 Infanteristen der US-Army marschieren durch die Jenaer Innenstadt entlang der Zeiss-Werke, 15. April 1945 ©Public Domain, Fotograf: F. C. Wagner

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Daran erinnerte der Zehnte Tag der Stadtgeschichte am 24. Oktober 2020 im Plenarsaal des Rathauses.
In zwei Diskussionsrunden wurde über das Thema "Jena 1945: Endkriegsverbrechen – Besetzung der Stadt – Wiedereröffnung der Universität" diskutiert.

Der erste Themenblock "Amerikanisches Intermezzo" setzte sich mit der Frage auseinander, warum es in Jena – im Gegensatz zu Apolda und Weimar – nicht zu einer kampflosen Übergabe der Stadt kam. Daneben wurde der Umgang der Besatzungsmacht mit den Besetzten unmittelbar nach der Einnahme Jenas durch amerikanische Truppe am 13. April 1945 angesprochen.
Die zweite Gesprächsrunde problematisierte die heroisierende Legende, wonach der spätere SED- und DDR-Staatschef Walter Ulbricht durch seine Teilnahme an einer Beratung mit dem Rektor der Universität Jena und weiteren Hochschullehrern im Hotel "Ölmühle" am 5./6. Juli 1945 eine grundlegende "Erneuerung" im deutschen Hochschulwesen initiiert habe.

2009

Im Jahr 2009 stand der Erste Tag der Stadtgeschichte ganz im Zeichen der Erinnerung an den demokratischen Aufbruch im Herbst 1989.

2010

Auf dem Zweiten Tag der Stadtgeschichte 2010 wurde die Öffentlichkeit über neueste Befunde der frühen Stadtgeschichte, die Geschichte der heutigen Jenaer Vororte und das Projekt eines Lexikons zur Jenaer Stadtgeschichte informiert.

2011

Der Dritte Tag der Stadtgeschichte 2011 beleuchtete die Stadtwerdung und frühe Stadtentwicklung Jenas bis zum Ausgang des Mittelalters und deutete vor diesem Hintergrund die Festwochen der erfundenen Stadtjubiläen von 1936 und 1986 als politische Inszenierungen.

2012

Der Vierte Tag der Stadtgeschichte 2012 widmete sich dem "pädagogischen Jena" und damit der historischen Schul- und Bildungslandschaft unserer Stadt. Der Bogen wurde von Friedrich Schillers Antrittsvorlesung 1789 über die Jenaer Schulgeschichte in der NS-Zeit bis hin zu autobiographischen Lebensberichten aus der DDR gespannt.

2013

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und unserem zahlreichen Publikum für das gute Gelingen des Fünften Tags der Stadtgeschichte, der am 30.11.2013 im Volksbad Jena zum Thema „Jena im Film“ stattgefunden hat. Das Programm und eine Übersicht der gezeigten Filme können Sie den Dateien unter „Downloads“ entnehmen.

2014

Im Jahr 2014 stand der Sechste Tag der Stadtgeschichte nach 2009 erneut im Zeichen der Erinnerung an die friedliche Revolution in unserer Stadt. Gemeinsam mit zahlreichen Gästen aus unserer Partnerstadt Erlangen haben wir an die Anfänge der Städtepartnerschaft und die Ereignisse des Herbstes 1989 erinnert. Darüber hinaus luden Geschichtsvereine, Aufarbeitungsinitiativen und junge Wissenschaftler aus Jena zu historischen Stadtrundgängen mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten ein. An ausgewählten Orten in der Innenstadt wurde auf den Kriegsausbruch 1914, die nationalsozialistische Herrschaft und den Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 sowie die Großdemonstrationen und Kontroversen vom Herbst 1989 Bezug genommen.

2016

Der Siebte Tag der Stadtgeschichte 2016 diskutierte das Thema „200 Jahre Eichplatz und Schwarz-Rot-Gold“. Im Mittelpunkt des Interesses stand ein multimedialer „Rundgang“ durch das historische Altstadtquartier zwischen Johannis- und Leutrastraße. Mit Hilfe alter Stadtansichten, Fotos und Karten, von Filmausschnitten und Zeitzeugen wurde ein aus dem Stadtbild verschwundener Symbolort erinnert, der immer einen festen Platz im kulturellen Gedächtnis der Stadt behalten wird.

2018

Der Achte Tag der Stadtgeschichte 2018 reihte sich in ein vielfältiges Programmangebot zivilgesellschaftlicher und städtischer Akteure aus Jena und befreundeter Städte in Europa ein. Das Wochenende um den 9. November stand unter dem Motto „Von Feinden zu Freunden. Ein europäisches Erinnerungsmosaik“. Der Stadtgeschichtstag erinnerte aus lokaler Perspektive an die Bombenangriffe mit Zeppelin-Luftschiffen auf London während des Ersten Weltkriegs, an die Niederlage des Deutschen Kaiserreichs und den Abschluss des Waffenstillstandsvertrages wenige Tage nach Ausbruch der Revolution in Kiel. Nach einer Einführung in die Geschichte des Blinker-Denkmals auf dem Landgrafenberg beleuchteten fünf Gesprächspartner in einer Podiumsdiskussion aus unterschiedlichen Blickwinkeln den bisherigen und zukünftigen Umgang mit diesem historischen Erbe.

2019

Der Neunte Tag der Stadtgeschichte wurde am 26. Oktober 2019 von JenaKultur in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Archiv für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk" durchgeführt. Zeitzeug*innen gestalteten zwei Podiumsgespräche, in denen zunächst die tiefe Gesellschaftskrise vom Herbst 1989 mit Blick auf die Bereiche Ökologie, Gesundheitswesen und Menschenrechte diskutiert wurde. Anschließend erinnerten sich Mitgründer*innen der Jenaer Ortsgruppen des Neuen Forum, Demokratischen Aufbruchs und der Bewegung Demokratie Jetzt an ihre frühen Konflikte mit dem überlebten, aber noch mächtigen Regime.

Der Jenaer Schauspieler Martin Bertram stellte auf packende Weise fiktive "Gedanken und Briefe aus dem Jahr 1989" vor. Es handelte sich um ausgewählte Teile des Theaterstücks "Wie viel mensch…?" von Mathias Wienecke, der auch Fragen aus dem Publikum beantwortete. Eine Führung zu den Orten der Demokratiebewegung in Jena schloss den Tag der Stadtgeschichte 2019 ab.

2020

JenaKultur führte am 24. Oktober 2020 in Kooperation mit JenaTV den Tag der Stadtgeschichte durch. Die Veranstaltung fand im Plenarsaal des Jenaer Rathauses statt.
Anlässlich des Zehnten Tages der Stadtgeschichte blickte der Werkleiter von JenaKultur, Jonas Zipf, eingangs auf die vorangegangenen Stadtgeschichtstage zurück. Diese Veranstaltungsreihe setzte 2009 ein und war seither einem beständigen Wandel unterworfen. Nunmehr würde sie das vielgestaltige Angebot von JenaKultur auf eigene Weise ergänzen. Der Militärhistoriker Jürgen Möller präsentierte in seinem kenntnisreichen Vortrag über die Besetzung Jenas durch Truppen der US Army Fotodateien und Kartenmaterial aus den USA. Ein seltenes Filmdokument rundete seinen Beitrag ab. Der kurze Ausschnitt war von amerikanischen Kampfeinheiten aufgenommen worden und zeigte, wie Soldaten Pontons für eine Behelfsbrücke über die Saale bei Kunitz verlegten.
In der zweiten Gesprächsrunde stand das monumentale Historiengemälde von Siegfried Winderlich im Mittelpunkt des Interesses, das seit 1968 im Plenarsaal hängt und damit allen Anwesenden vor Augen stand. Zwei Referate führten in den kulturhistorischen Hintergrund dieses Bildwerkes ein, das den Titel trägt: "Der Beschluß der Wiedereröffnung der Friedrich-Schiller-Universität Jena". Die Alma mater Jenensis konnte am 15. Oktober 1945 als erste Universität in der sowjetischen Besatzungszone eröffnet werden. Zur Debatte stand u. a., welchen nachweisbaren Anteil daran auch dem späteren SED- und DDR-Staatschef Walter Ulbricht zukam.
Aufgrund der Corona-Pandemie musste die Zahl der Gäste drastisch beschränkt werden. Alle Teilnehmer waren verpflichtet, während der Dauer dieser Veranstaltung eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Die beiden Diskussionsrunden konnten per Live Stream auf der Website von JenaKultur mitverfolgt werden. Einen Tag später sendete JenaTV eine Aufzeichnung im Regionalfernsehen.

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